Zwei Eubuleus Mitarbeiter:innen in violetten Hoodies lächeln in die Kamera, während sie auf einem Balkon stehen und eine moderne Architektur im Hintergrund zu sehen ist. Im Vordergrund sind Flaggen und Menschen, die sich auf einem Platz bewegen. Das Bild vermittelt eine freundliche und einladende Atmosphäre.
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DSAG-Technologietage 2026: Zwischen KI-Hype und Praxistauglichkeit

Von Jeremia Girke
Events

8 Min. Lesezeit

Zu den DSAG-Technologietagen 2026 kamen rund 3000 Gäste in das Congress Center Hamburg. Vom 17. bis 18. März gab es Fachvorträge, Use Cases, Espresso-Sessions und jede Menge Möglichkeiten zum Netzwerken. Das Motto: „Lights on Layers. Clarity-by-Design?“.

Im Spotlight standen die drei „Schichten“ KI, Daten und Security. Ein Team von Eubuleus war vor Ort und hat sich umgehört: Wie ist der Stand von KI im Business-Kontext? Wie schaffen es Unternehmen in Zukunft, die dafür benötigten Daten bereitzustellen? Und wie bleibt das Thema Sicherheit im Blick? Unsere Insights: 

  • Künstliche Intelligenz ist in den Köpfen der IT-Abteilungen angekommen. Allerdings fehlen die Möglichkeiten, mit den Lösungen von SAP schnell und kostengünstig zu experimentieren. Deswegen setzen die meisten Unternehmen auf andere KI-Anbieter.
  • Die Business Data Cloud wird zum Datenfundament von KI-Anwendungen sowie Business-Intelligence-Tools für Reporting und Visualisierung.
  • Mit wachsenden Datensätzen, autonomen Systemen und KI als Manipulationsinstrument steigen die Herausforderungen für die IT-Sicherheit. Security sollte mehr denn je eine zentrale Rolle bei der Umsetzung neuer Entwicklungen spielen – ohne zur Bremse zu werden.

Die SAP-KI-Ära soll beginnen

Zuerst prognostizierte Christian Klein das Ende der Tastatur, weil KI unsere Arbeitsweisen grundlegend ändert. Dann legte der SAP-Chef nach und kündigte an, das eigene Unternehmen von Grund auf zu transformieren und voll auf KI zu setzen. Unter diesem Vorzeichen standen die DSAG-Technologietage 2026.

Das grundlegende Problem dabei: Die technologischen Sprünge kommen in der Praxis nicht an. Die Entwicklung ist zu schnell, als dass Anwendungsfälle in der Geschwindigkeit nachziehen könnten.

Die Antwort von SAP ist, Agenten im Rahmen der eigenen KI-Lösung Joule bereitzustellen. Rund 40 gibt es davon bereits in S/4HANA. Sie sollen IT-Abteilungen effizienter machen und Endnutzer bei alltäglichen Aufgaben entlasten.

Im Markt kommt das nicht an. Keiner unserer Kunden nutzt Joule ernsthaft. Auch eine stichpunktartige Befragung während der Technologietage hat gezeigt, dass kaum ein Unternehmen auf die KI-Lösung von SAP setzt.

Dagegen hilft es nicht, ständig neue KI-Agents zu veröffentlichen. Es gibt vielmehr Engpässe in der Integration. Denn einen einfachen Zugriff auf Joule haben nur Kunden der Public 4/HANA Cloud. Die sind klar in der Minderheit. Eine Einführung auf der Private Cloud ist technisch anspruchsvoll und On-Premise-Kunden gehen ganz leer aus. 

Ein weiterer Punkt: Joule läuft nicht stabil und zuverlässig. Das haben verschiedene Demonstrationen auf den Technologietagen gezeigt. Der konkrete Business Case stellt sich also erst gar nicht. 

Dazu kommt eine komplizierte Lizenzierung, die nun auch geändert werden soll: Statt der Zahl der Nutzer soll künftig der Umfang des KI-Einsatzes über die Höhe der Zahlungen entscheiden. Macht Sinn. Allerdings stellt sich die Frage, ob Joule dadurch wirklich preiswerter wird. 

Joule bleibt in der Praxis weit hinter dem zurück, was das SAP-Marketing verspricht. Die Walldorfer schreiten trotzdem unbeirrt auf ihrem Weg voran. Hier ein Blick auf eine der Präsentationsfolien zu SAP Joule, die eine Übersicht über die Einsatzgebiete schaffen soll.

Alt-Text: Übersichtliche Darstellung von SAP-Datenprodukten und Lösungen, die von Eubuleus Mitarbeiter:innen präsentiert werden. Das Bild zeigt verschiedene Sektionen wie "Joule Live Across" und "AI Agent Hub" sowie spezifische Datenprodukte wie "SAP-RPT-1" und "Prompt Optimizer". Die Farbgestaltung in Lila und Blau unterstreicht die innovative Technologie, die in über 312 SAP-Datenprodukten integriert ist.
Alt-Text: Diagramm zur Darstellung der Funktionen von Joule, einem System für Geschäftsanwendungen. Es zeigt die Interaktion zwischen Benutzeranfragen, Wissenskatalogen und großen Sprachmodellen wie ChatGPT. Die verschiedenen Komponenten sind klar strukturiert, einschließlich Benutzererfahrung (UX), Dialogfunktionen und Content-Erstellung.

Quelle: DSAG Technologietage 2026 Vortrag Dr. Philipp Herzig

Wenn es wie angekündigt kommt, stellt sich die Frage: Was ist mit den Investitionen in Fiori-Apps? Denn wenn Joule die zentrale Benutzeroberfläche wird, brauchen Endanwendungen kein ausgeklügeltes UX-Design mehr.

SAP beruhigt: Fiori-Apps bleiben relevant, denn die KI greift bei ihren Aufgaben auf die darin hinterlegten CDS Views, Berechtigungen und Fiori-Actions zurück.

Die BTP wird immer wichtiger

Grafische Darstellung der Joule Business Technology Platform mit Fokus auf App-Entwicklung, Datenanalyse und Integration. Die Grafik zeigt verschiedene Komponenten wie Geschäftsdatenspeicherung, KI-Services und den KI-Lebenszyklusmanagement-Prozess.

Quelle: [1] SAP

Die Business Technology Plattform (BTP) bildet das technologische Rückgrat der KI-Anwendungen in SAP. Über sie werden alle Services, Modelle und Agenten bereitgestellt, verwaltet und in bestehende SAP‑Lösungen eingebettet. SAP ordnet in der eigenen BTP-Darstellung [1] Joule oberhalb der Business Technology Platform ein, flankiert von Geschäftsdaten/Kontext und KI-Services; genau diese Einordnung ist für die Einordnung der Aussagen auf den DSAG-Technologietagen relevant.

Darüber hinaus kann über sie die eigene SAP-Systemlandschaft unter Beachtung der Clean-Core-Prinzipien erweitert und modernisiert werden. Die BTP wird damit fast genauso wichtig wie S/4HANA selbst.

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Tipp aus der Praxis

Wir erleben es in unseren Projekten immer wieder, dass Clean Core als rein technisches Thema mit vordefinierten Schnittstellen und sauberen Erweiterungen verstanden wird. Das greift zu kurz. Der Ansatz beginnt weitaus früher und prüft jede Eigenentwicklung dahingehend, ob sie wirklichen Mehrwert generiert.

In diesem Zusammenhang gab es einen spannenden Einblick in die Innovationsstrategie von Sartorius. Der Pharma- und Laborzulieferer hat den „Lift & Shift“-Ansatz genutzt, um auf die Cloud zu migrieren. Im Anschluss hat das Unternehmen einen Teil der IT-Abteilung auf die BTP eingeschworen. Praxistipp der Verantwortlichen: 3 Vollzeitkräfte für die BTP – eine für die Planung, eine für die Produktion, eine für den Qualitätscheck.

Den Datenschatz heben 

Das Thema Daten ist zentral und hat in den vergangenen Jahren einen wahren Bedeutungsschub erfahren. Denn ohne die richtige Informationsbasis gibt es keine individuellen KI-Anwendungen und keine datengetriebenen Entscheidungen. 

Als zentraler Datenhub im SAP ERP kristallisiert sich die BDC (Business Data Cloud) heraus. Sie legt das Fundament für die Harmonisierung von SAP-Daten. Gleichzeitig verbindet die Datasphere Informationen von Drittanbietern mit dem ERP-System. Sie legt das Fundament für die Business Data Fabric und damit für bessere Unternehmensentscheidung. 

Allerdings ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Im Gespräch mit Anwendern auf den Technologietagen zeigt sich, dass der Umstieg schwerfallen kann. Denn nicht alle Funktionen des Vorgängermodells, SAP Business Warehouse (BW), sind in Datasphere vorhanden.

Diese müssen erst nachgebaut werden. Das erhöht die Fehleranfälligkeit und den Service-Aufwand. Die Einführung wird damit kostspielig und zu einem geschäftlichen Risiko, denn die korrekte Auswertung von Daten ist essenziell für die Strategie eines Unternehmens.

HDM wird zu ADM

Das Harmonized Document Management (HDM) heißt jetzt Advanced Document Management (ADM). Der entscheidende Unterschied: Jedes Dokument bekommt einen Infosatz als ergänzende Meta-Schicht. Damit lässt es sich genauer einem Business Objekt zuordnen. 

Die Lösung wird sowohl On-Premise als auch in der 4/HANA-Cloud verfügbar sein. Außerdem gibt es bereits RAP– und CAP-Schnittstellen. Weitere sind in der Entwicklung. Offen ist allerdings die Frage, wie das neue System im Zusammenspiel mit Output Control läuft. 

Ohne Sicherheit ist alles nichts

Mehr Daten, mehr autonome Systeme und KI im Hacking – die neuen technologischen Entwicklungen erhöhen das Sicherheitsrisiko. Dr. Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs, hat in ihrer Keynote eindrücklich darauf hingewiesen. 

Die zentrale Frage dabei: Wie schütze ich meine Unternehmensdaten im KI-Zeitalter?

  1. Neben technischen Vorkehrungen braucht es klare Verhaltensregeln und Best Practices, damit IT-Sicherheit greift.
  2. Unternehmen müssen verstehen, wie ihre Systeme funktionieren. Das gilt für externe AI Agents wie für das Vibe Coding. Denn die Schere zwischen denen, die guten Code einschätzen können und denen, die einfach drauflosentwickeln, wird immer größer.

Klar ist: Cloud und KI vergrößern die Angriffsfläche, die Komplexität und den Anspruch an die IT-Sicherheit.

Fazit

Die DSAG hat eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt. Das liegt an den Vorträgen und am Charakter eines Klassentreffens: Hier trifft man Kunden, tauscht sich mit ehemaligen Kollegen aus und lernt neue Partner kennen.

Bei den Gesprächen zeigte sich deutlich, dass die meisten Unternehmen mit KI loslegen wollen. Das Thema ist in den Köpfen der IT-Mitarbeiter angekommen. Sie wissen nur nicht, wie sie es mit SAP angehen sollen. Deswegen setzen sie auf andere Lösungen wie Microsoft Copilot.  

Ein weiteres wichtiges Thema war E-Invoicing. Hier befinden sich gerade viele Unternehmen in der Umstellung von einem analogen auf einen digitalen Rechnungsprozess. Der Zeitdruck ist da, denn ab 2027 müssen B2B-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 800.000 Euro E-Rechnungen verschicken. Ein Jahr länger Zeit haben kleinere Firmen.   

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