Der DSAG-Jahreskongress zählt zu den wichtigsten Events für SAP-Anwenderunternehmen. Über 5.500 Teilnehmer besuchen die dreitägige Veranstaltung. Natürlich sind auch wir von eubuleus mit dabei.
Dieses Jahr fand das Branchenevent der Anwendergruppe vom 16. bis 18. September in Bremen statt. Du konntest nicht mit vor Ort sein? Kein Problem! Ich hab dir meine wichtigsten Takeaways kurz und kompakt zusammengefasst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das Motto des diesjährigen Jahreskongresses der deutschsprachigen Anwendergruppe war „The Art of Balance“. Im Zentrum der Veranstaltung in Bremen stand der Spagat zwischen Sicherheit und Schnelligkeit.
- Künstliche Intelligenz ist weiter auf dem Vormarsch – auch im ERP. Dadurch steigt die Bedeutung von Datenschutz- und Archivierungsthemen weiter.
- Clean Core ist in der Realität nicht umsetzbar, weil es an passenden Schnittstellen fehlt. Der Ausweg heißt Lean Core.
Zwischen Schnelligkeit und Sicherheit

Der DSAG-Jahreskongress 2025 fand unter dem Motto „The Art of Balance“ statt. Das Thema zielt auf die Frage ab: Wie finden Unternehmen den richtigen Weg zwischen Stabilität und Schnelligkeit? Eine einheitliche Antwort darauf gibt es nicht, weswegen viele nach Orientierung suchen – vor allem in einer Welt, die von stetigen Veränderungen geprägt ist.
Umso lehrreicher ist es, einen Blick auf andere Unternehmen zu werfen: Wie gehen sie mit den Unsicherheiten um und wie richten sie ihr SAP ERP darauf aus? Denn zweifellos spielt die Migration auf SAP S/4HANA eine große Rolle für Resilienz und Zukunftsfähigkeit.
Beim DSAG-Jahreskongress wurde gleich zu Beginn eine Umfrage der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe und der Americas SAP Users Group präsentiert, die dieser Frage nachging. Das Ergebnis: 87 Prozent der Kunden sind hierzulande und in den USA On-Premise oder in der SAP S/4HANA Private Cloud unterwegs. Nur 13 Prozent nutzen die SAP S/4HANA Public Cloud Edition. Meine Vermutung ist, dass mit Blick auf Deutschland die Zahl der Unternehmen mit der SAP S/4HANA Public Cloud noch geringer ausfallen würde.
Namensänderung und neue Preispolitik
Kleine Randnotiz: In Zukunft spricht SAP bei der S/4HANA-Cloud nicht mehr von SAP S/4HANA Public, sondern von Cloud ERP. Die SAP S/4HANA Private Cloud wird zur Cloud ERP Private.
Auch die Preisstruktur ändert sich – zumindest im Cloud ERP: In Zukunft wird hier rollenbasiert abgerechnet. Power User kosten entsprechend mehr. Gleichzeitig erhalten die Experten Zugriff auf weitere Cloud-Produkte.
In der SAP Cloud ERP Private bleibt es bei der alten Lizenzpolitik. Einfacher wird es dadurch nicht – im Gegenteil. Chaos ist vorprogrammiert.
Grow with SAP vs. Rise with SAP
Zurück zum eigentlichen Thema: S/4HANA-Transformation. Tatsächlich setzen viele Neukunden auf eine Cloud-Transformation. SAP hat beim DSAG-Jahreskongress 2025 nochmal klargestellt, dass für sie das Grow-Programm gedacht ist.
Grow with SAP soll den Wechsel auf die S/4HANA Public Cloud beschleunigen. Das Programm enthält dafür vorkonfigurierte Best-Practice-Prozesse, Services zur schnellen Implementierung sowie Zugang zu Lernressourcen und zur Community.
Bestandskunden, die auf die Cloud wechseln wollen, sollen dagegen SAP Rise nutzen. Das Gesamtpaket beinhaltet neben S/4HANA die BTP (Business Technology Platform) und Infrastrukturservices von Hyperscalern.
Das Besondere: Für Rise-Kunden verschiebt sich das Support-Ende auf 2033. Allerdings ändert das nichts daran, dass viele On-Premise-Anwender bei der Variante bleiben und nicht auf die Cloud wechseln.
Ein Blick in die Praxis: Wir begleiten bereits mehrere Kunden nach der SAP Rise-Umstellung. Die Folge-Kosten nach dem Umstieg übersteigen häufig die Kosten für den Betrieb eines eigenen Rechenzentrums. Es ist also die Frage, ob nun wieder das Come-Back der Rechenzentren ansteht. Die Kosten entscheiden über die Rolle rückwärts.
Evonik wechselt auf die Public Cloud
Eine interessante Ausnahme bildet Evonik. Der Chemiekonzern präsentierte bei einer Keynote auf dem DSAG-Jahreskongress 2025 in Bremen seine Transformation in die Public Cloud. Wichtige Voraussetzungen dafür sind Standardisierungen und ein Clean-Core-Ansatz.
Für Evonik ist die Private Cloud ein technologischer Zwischenschritt, den das Unternehmen bewusst überspringt. Gleichzeitig kämpfen die IT-Verantwortlichen mit der Planungssicherheit von Seiten SAP und der Preispolitik der Walldorfer.
In dem Fall „Evonik“ zeigt sich einmal mehr ein grundlegendes Problem zwischen den Anwendern und dem Software-Hersteller: SAP setzt mehr und mehr auf Cloud-only, wie wir beim DSAG-Technologietag 2025 erfahren haben. Allerdings hakt es an Funktionssicherheit, die seitens der DSAG immer wieder eingefordert wird, sowie an Überblick, welche Funktionen in welcher Version überhaupt aufrufbar sind.
SAP verschärft das Problem nochmals mit der jetzigen Ankündigung beim Jahreskongress: Ab dem 2025-Release entwickelt SAP den S/4HANA-Core für On-Premise und Cloud nicht mehr gemeinsam weiter.
Statt einer Annäherung der Funktionen zwischen Cloud- und den On-Premise-Services wird die Lücke wohl ab jetzt größer. Mit dieser Ankündigung hat die SAP ab dem 2025 Release auch ein Argument mehr, weshalb On-Premise diverse Funktionen nicht mehr erhält.
Es folgt also nach der offiziellen Ankündigung, Cloud-Only weiterzuentwickeln, nun auch die technische Umsetzung.
Zwischen KI und Datenschutz

Ein Zukunftstrend schlechthin ist Künstliche Intelligenz. Natürlich spielten Innovationen in dem Bereich eine wichtige Rolle auf dem Kongress im September 2025. Im Zentrum standen dabei zum einen konkrete Use Cases.
Rechnungsautomatisierung mit KI
Einen davon zeigte Asklepios bei einem Vortrag. Der Gesundheits- und Pflegedienstleister für Senioren hat seine Services und Rechnungseingänge sehr weit automatisiert. Hier wird Digitalisierung in der Praxis gelebt.
Zum Einsatz für die Verarbeitung von Rechnungseingängen kommt das Add-On XSuite. Die Lösung ermöglicht eine automatische Beleglesung, Prüfung, Kontierung, Freigabe und revisionssichere Archivierung von Rechnungen. Wir bei eubuleus haben damit bereits umfangreiche Erfahrungen gesammelt und können die Software für dieses Anwendungsgebiet empfehlen.
In Zukunft tätigt Asklepios mehr Investitionen im Bereich selbstlernende KI und wechselt dafür den externen Digitalisierungsservice. Prozesse sollen dadurch unter anderem im Bereich Kontenbuchungen weiter automatisiert werden.
Datenschutz und Archivierung
Natürlich braucht Business AI Unmengen an Daten. Doch gerade bei sensiblen Unternehmensinformationen müssen die Bedürfnisse nach hohen Sicherheitsstandards erfüllt werden.
Das zeigt sich auch im DSAG-Investitionsreport 2025. Darin belegt „Security“ bei den übergreifenden Themen klar Platz eins: 92 Prozent der befragten Unternehmen sehen hier eine hohe oder zumindest mittlere Relevanz.
Eine qualitativ hochwertige SAP-Archivierung stellt beides sicher: eine hohe Datenqualität und -konsistenz sowie Datenschutz und damit Compliance. Ein tolles Beispiel, wie DSGVO-konformes Datenmanagement funktioniert, hat die Rewe Group auf dem DSAG-Jahreskongress 2025 demonstriert.
Der Handelskonzern hat eine einheitliche Archivierung über sieben Systeme hinweg mit jeweils 50 Objekten eingeführt. Zum Einsatz kamen dabei verschiedene Tools, insbesondere PBS Nearline Analytic Archive (NAA).
Dabei werden im Zuge der Transformation Alt-Daten (Customizing-, Stamm- und Bewegungsdaten) aus einem oder mehreren ERP-Systemen in eine separate Nearline-Datenbank importiert. Sie ist als Sidecar an das S/4HANA-System angebunden. So sind alle relevanten Informationen im neuen System verfügbar, ohne Raum auf der HANA-Datenbank einzunehmen.
Spannend ist daneben auch der Einsatz von Savento Tower von itesys. Die Software regelt und automatisiert den gesamten Prozess der Datenarchivierung über SAP ILM, inklusive Planung, Steuerung, Monitoring und Reporting. Dabei lassen sich Läufe auf verschiedenen Systemen starten und Varianten nach verschiedenen Regeln erzeugen.
In einem Protokoll werden alle Schritte und Prozesse dokumentiert, inklusive der angewendeten Regeln und des Spool-Inhalts. Das macht es sehr übersichtlich und unterstützt die Einhaltung gesetzlicher und unternehmensinterner Compliance-Anforderungen.
Datenschutz mit SuccessFactors und Ariba
SAP bietet mit SuccessFactors und Ariba zwei Möglichkeiten, personenbezogene Daten sicher zu verarbeiten und gesetzliche Datenschutzanforderungen einzuhalten. SuccessFactors konzentriert sich dabei auf Informationen von Mitarbeitern, während Ariba sich auf Beschaffungs- und Lieferantendaten fokussiert.
SAP hat beim Jahreskongress eine Suite angekündigt, die Funktionen bündeln soll. Das gilt allerdings nur für den Zusammenhang von Daten, nicht für die Einstellungen. Der Softwareriese wird auch künftig kein einheitliches Framework anbieten, das zentrale Datenschutzeinstellungen ermöglicht.
SAP wird auch in Zukunft kein einheitliches Framework anbieten, mit dem Datenschutzeinstellungen zentral vorgenommen werden können. Es bleibt also bei der mühsamen Pflege in jedem einzelnen System. Hierbei können wir gerne unterstützen.
Zwischen Clean Core und Lean Core

Für eine sichere und schnelle Anpassung von ERP-Systemen, insbesondere von S 4, wird immer wieder auf die Clean-Core-Strategie gezeigt. Etliche Vorträge und Diskussionen haben sich deswegen beim DSAG-Jahreskongress 2025 damit beschäftigt.
Was ist die Clean-Core-Strategie?
Die Clean Core Strategie von SAP ist ein methodischer Ansatz zur Standardisierung und Vereinfachung. Ziel ist es, den Kern des ERP-Systems („Core“) möglichst frei von individuellen Anpassungen und Modifikationen zu halten. Das soll die Wartungsfreundlichkeit, Upgradefähigkeit und Innovationsfähigkeit maximieren.
Die Strategie beinhaltet fünf Leitprinzipien:
- Clean Processes für Geschäftsprozesse nah am SAP-Standard
- Clean Extentions für die Entkopplung von Erweiterungen
- Clean Data für konforme Daten
- Clean Integrations für eine standardisierte Integration
- Clean Operations für die Anwendung von Best Practices
Was funktioniert in der Praxis?
So viel zur Theorie. Bei einem Vortrag auf dem Jahreskongress wurde allerdings deutlich, dass Clean Core in der Praxis noch nicht immer umsetzbar ist. Der Grund: Es fehlt an Schnittstellen.
Diese sind essenziell, weil der Kern des SAP-Systems ja möglichst unverändert und standardisiert bleiben soll. Individuelle Erweiterungen und Anpassungen sollten daher außerhalb realisiert werden. Diese Entkopplung erfordert klare, stabile und sichere Kommunikationswege zwischen dem Kernsystem und externen Erweiterungen. Davon gibt es Stand jetzt zu wenige.
Jedes Upgrade stellt zwar mehr Schnittstellen zur Verfügung. Allerdings wird es immer schwieriger, diese zu nutzen, je weniger ein Clean Core gelebt wird. Ein Teufelskreis kann entstehen.
Daher ist die Empfehlung, auf einen Lean Core Ansatz zu setzen. Dabei werden individuell angepasste Funktionen auf das Nötigste beschränkt und so viel wie möglich auf den SAP-Standard gesetzt.
Fazit

Die Welt ist im Wandel und damit auch die ERP-Landschaft. Sie ist entscheidend dafür, dass sich Unternehmen möglichst schnell an wandelnde Bedingungen anpassen können – egal, ob neue Gesetze, wegbrechende Lieferketten oder technologische Entwicklungen.
Dass es in der Hinsicht noch viel zu tun gibt, zeigt eine beim DSAG-Jahreskongress 2025 präsentierte Zahl: Nur 10 Prozent der SAP-Kunden haben SAP ILM im Einsatz. Der Bedarf an adäquaten Datenschutzvorkehrungen in Kombination mit einem von Business AI nutzbaren Datenschatz ist also sehr hoch.
Zugleich sind die von SAP herausgegebenen Strategien für ein zukunftsfähiges ERP nicht immer praxistauglich. Stichwort: Clean-Core-Strategie. Zum Glück gibt es uns SAP-Berater – auch das hat sich beim Jahreskongress wieder gezeigt. Wir helfen Unternehmen dabei, die für sie beste Lösung zu finden und diese schnell sowie stabil umzusetzen.
Besonders beeindruckt hat mich in diesem Zusammenhang ein Vortrag zur Brownfield-Migration bei der Krüger Group. Die Kollegen haben es gemeinsam mit dem Kunden geschafft, innerhalb eines Wochenendes auf S4/HANA umzustellen. Das war notwendig, weil der Lebensmittelhersteller einen 24/7-Betrieb hat und tagesaktuell Preise mit Lieferanten verhandelt.
Ein anderes Beispiel ist die Einführung von SAP DRC bei Rehau. Die Lösung wurde in den verschiedenen Landesgesellschaften eingeführt, um Compliance-Anforderungen besser einhalten zu können. Die Implementierung hat pro Landesgesellschaft im Schnitt fünf bis sechs Monate gedauert.
Um diese Qualität liefern zu können, müssen wir Berater Erfahrungen austauschen und uns kontinuierlich weiterbilden. Branchenevents wie der DSAG-Jahreskongress sind dafür Gold wert.
Zugleich ist es eine gute Nachricht, dass SAP die Zertifizierungen zentralisieren möchte. Das soll den Zugriff darauf erleichtern. Und auch die DSAG investiert in die Weiterbildung ihrer Mitglieder und bietet beispielsweise in Zukunft ein eigenes Ausbildungsprogramm in der DSAG Academy an. Berufsbegleitend lassen sich darüber Mitarbeiter auf Führungspositionen vorbereiten.







