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Unterschied SAP ERP und S/4HANA – der große Vergleich

Von Jeremia Girke
SAP ERP
19. August 2025
Inhalt

    Das Support-Ende für SAP ERP rückt näher. Mittelfristig führt für die meisten Unternehmen also kein Weg an der Transformation vorbei.

    Aber was genau ist eigentlich der Unterschied zwischen dem alten SAP ERP und SAP S/4HANA? Welche Vor- und Nachteile bringt der Umstieg mit sich?In diesem Artikel beleuchten wir die entscheidenden Neuerungen – von der Datenbank über die Benutzeroberfläche bis zum Datenmodell – und zeigen dir, was du für eine erfolgreiche Migration wissen musst. 

    • SAP S/4HANA bietet Echtzeitanalysen, eine moderne Benutzeroberfläche und ein an realen Geschäftsprozessen orientierten Aufbau.
    • Vorteile des neuen SAP-Systems sind Planungssicherheit, schlankere Strukturen und die Einbettung von modernen Technologien.
    • Nachteile sind unter anderem ein teureres Lizenzmodell sowie unerprobte Technologien.

    Bevor wir uns nun mit dem ausführlichen Vergleich von SAP ERP und SAP S/4HANA beschäftigen, sollten wir uns die Begriffe genauer anschauen.

    SAP ERP oder SAP ECC?

    ERP steht für Enterprise Resource Planning. SAP ERP ist also der Oberbegriff für sämtliche Produkte des Softwaregiganten in dem Bereich. In der Praxis wird er allerdings häufig synonym für SAP ECC verwendet. Die Abkürzung steht für SAP ERP Central Component.

    Dahinter verbirgt sich das Herzstück der SAP Business Suite. SAP ECC ist der Nachfolger von SAP R/3 und integriert die wichtigsten Geschäftsprozesse eines Unternehmens in einer einzigen, modular aufgebauten Lösung. Mit der Software können verschiedene Unternehmensbereiche wie Finanzen, Controlling, Materialwirtschaft, Vertrieb, Personalwesen und Logistik durch standardisierte Module ganzheitlich abgebildet und miteinander verknüpft werden.

    Wenn in diesem Artikel also die Rede von SAP ERP ist, geht es um SAP ECC.

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    Was ist SAP S/4HANA?

    S/4HANA ist die aktuelle ERP-Generation von SAP und der direkte Nachfolger von SAP ECC. Die Bezeichnung steht für „Suite for HANA“, wobei HANA die zugrundeliegende In-Memory-Datenbank ist.

    S/4HANA soll Kunden die digitale Transformation ermöglichen. Dabei können sie auf  verschiedene Deployment Optionen zurückgreifen: On-Premise, also auf eigenen Servern, oder als S/4HANA Cloud und damit als Software-as-a-Service (SaaS). 

    SAP setzt einen klaren Fokus auf die Cloud-Bereitstellung von SAP S/4HANA für mehr Skalierbarkeit und Flexibilität. Gleichzeitig ist auch eine Hybrid-Variante möglich, bei der ein Teil On-Premise und ein Teil des Systems in der Cloud liegen.

    Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen SAP ERP und S/4HANA

    SAP ERP und SAP S/4HANA unterscheiden sich grundlegend hinsichtlich der Datenbanktechnologie, Prozesse und Bedienung. Gleichzeitig gibt es Gemeinsamkeiten, die sich bewährt haben.

    Quantensprung in der Systemarchitektur

    Einer der größten Veränderungen liegt in der Datenbank. Mit HANA setzt SAP erstmals auf eine eigene All-in-one-Datenbanktechnologie. Sie greift sowohl spalten- als auch zeilenorientiert auf Daten zu. Im Gegensatz dazu fußen R/3 und ECC auf zeilenbasierten Datenbanken von Drittanbietern.

    Zwar kann auch SAP ERP mit HANA umgehen. Allerdings weiß erst S/4HANA mit CDS-View und den vereinfachten Zugriffswegen die Vorteile der neuen Technologie voll auszuspielen.

    Der entscheidende Vorteil für die Anwender liegt in den Echtzeitanalysen. Da die SAP HANA-Datenbank Daten im Arbeitsspeicher vorhält, ist die Verarbeitung um ein Vielfaches schneller. Dadurch können Vertriebler mithilfe von Embedded Analytics den aktuellen Stand, die Erlöse und Kosten einzelner Projekte in Echtzeit abrufen. Auch lassen sich Produktionskennzahlen, Maschinendaten, Lagerbestände und vieles mehr viel genauer überwachen.

    „Lines of Business“ statt starrer Module

    In SAP S/4HANA ist nicht mehr die Rede von Modulen wie in SAP ERP, sondern von „Lines of Business“ (LoB). Dahinter steckt mehr als nur eine Namensänderung: Es ist ein grundlegend anderer Ansatz, der sich an realen Geschäftsabläufen orientiert statt an starr getrennten Funktionsbereichen.

    So wird aus dem früheren MM (Materialwirtschaft) in SAP S/4HANA „Sourcing and Procurement“. Es ermöglicht eine engere Verzahnung zwischen Beschaffung, Materialwirtschaft und Supply Chain Management. Zugleich wird das Modul für das Customer Relationship Management im Core von S/4HANA integriert, sodass es kein separates SAP-CRM-System mit eigener Datenbank und Middleware mehr gibt.

    PartnerlösungenBranchespezifisch, vernetzt und nachhaltigBusiness Transformation ManagementFinanzAgentenAusgabenAgentenLieferkettenAgentenHRAgentenCXAgentenJouleAgenten koordinieren EndezuEndeGeschäftsprozesseDaten & AnalyseIntegrationKünstliche IntelligenzFundament der PlatformBusiness Technology PlatformCloud ERPinanzmanagementusgabenmanagementieferkettenmanagementersonalmanagementustomerexperience

    Quelle: SAP

    SAP arbeitet daran, das Prinzip der LoB auf der Business Technology Plattform (BTP) zu einem Business-Process-as-a-Service (BPaaS)-Modell weiterzuentwickeln. Das Ziel: Es werden nicht mehr ganze Module gebucht, sondern benötigte Teilprozesse. Das würde das ERP-System noch schlanker und kosteneffizienter halten. Allerdings ist das Ganze noch Zukunftsmusik.

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    Responsive und einfache Bedienung

    Das „S“ in S/4HANA steht für simple. Ein zentraler Baustein dieser Vereinfachung ist SAP Fiori.

    Alt-Text: Zwei elektronische Geräte zeigen ein SAP-Dashboard mit verschiedenen Kennzahlen und Grafiken. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich gestaltet und bietet eine Vielzahl von Datenanalysen. Dieses Bild verdeutlicht die Nutzung von SAP-Software zur Datenvisualisierung und Entscheidungsfindung in Unternehmen.

    Quelle: SAP Community

    Sie ist die zentrale User Experience (UX) in SAP S/4HANA und soll das klassische SAP GUI ablösen. Statt komplexer Transaktionen kommen responsive SAP Fiori Apps zum Einsatz, die jeweils eine ganz bestimmte Aufgabe abbilden. Die Benutzeroberfläche ist dadurch intuitiver und ähnelt Erfahrungen aus dem Consumer-Bereich.

    Dazu trägt auch das Fiori Launchpad bei. Dahinter verbirgt sich der zentrale Zugriffspunkt auf alle Apps. Ähnlich wie der Startbildschirm eines Smartphones kann es personalisiert und an die Aufgaben des jeweiligen Nutzers angepasst werden.

    Bewährte technische Grundlage

    Trotz dieses fundamentalen Wandels bleibt die technische Basis zwischen SAP ERP und SAP S/4HANA größtenteils bestehen: ABAP ist weiterhin die maßgebliche Programmiersprache für Eigenentwicklungen. Auch Bausteine wie das Berechtigungskonzept auf Basis von PFCG-Rollen, IDocs für den Datenaustausch und RFC für die Programm-Kommunikation sind weiterhin Bestandteil der Infrastruktur.

    Zusammenfassung

     SAP ERPSAP S/4HANA
    DatenbankUnterstützt relationale Datenbanken (Oracle, DB2, SQL Server, MaxDB)Läuft ausschließlich auf der In-Memory-Datenbank SAP HANA
    DatenmodellViele Aggregat- und Indextabellen; FI und CO separatUniversal Journal (ACDOCA) konsolidiert Finanz- und Controlling-Daten; stark reduzierte Tabellen
    Benutzer­oberflächeKlassische SAP GUI als StandardSAP Fiori als moderne und responsive UI
    Verarbeitung & AnalyticsBatch-orientiert, getrennte OLTP/OLAP-SchichtenEchtzeit-Transaktionen und -Analysen
    ModuleEtablierte Module wie FI, CO, MM, SD, PP, HCM Prozessorientierte „Lines of Business“
    StammdatenGetrennte Kunden- und LieferantenstämmeBusiness-Partner-Konzept als „Single Point of Truth“
    Neue TechnologienEingeschränkte KI/IoT-Integration, vielfach Add-Ons nötigEingebaute KI, ML, IoT, Embedded Analytics
    DeploymentAusschließlich On-Premises (klassisches Client-Server-Modell)On-Premises, Private-/Public-Cloud und Hybrid

    4 Vorteile von S/4HANA gegenüber SAP ERP

    SAP bewirbt einen ganzen Blumenstrauß an Vorteilen von S/4HANA. In meinen Augen sind diese vier die wichtigsten:

    1. Best Practices für eine schnelle Implementierung

    S4/HANA bringt zahlreiche Best Practices mit, die über den SAP Process Navigator genutzt werden können. Unternehmen müssen das Rad also nicht bei jeder Standardfunktion neu erfinden, sondern können fertige Business Services aktivieren. Das erleichtert die Implementierung und beschleunigt den Umstieg.

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    Tipp aus der Praxis

    Die fertigen Business-Funktionen liefern direkt Adobe Formulare mit aus. Das ist von großem Vorteil – vorausgesetzt, die Formulartechnologie ist bereits im Einsatz. Spätestens mit der Umstellung auf SAP S/4HANA müssen Unternehmen also auf Adobe Forms umstellen.

    2. Planungssicherheit

    SAP ERP läuft 2027 aus oder 2030 bei Extended Maintenance oder 2033, wer RISE with SAP nutzt. Da verliert man schnell den Überblick.

    Bei SAP S/4HANA ist es dagegen eindeutig: Der Support wird bis 2040 garantiert. Das sind ab jetzt noch 15 Jahre. In der IT-Welt entspricht das einer halben Ewigkeit. Das schafft Planungssicherheit.

    3. Einfachere Strukturen, weniger Kosten

    Anstelle von zahlreichen Aggregat- und Indextabellen folgt S 4 dem Prinzip der “Single Source of Truth”: Wichtige Daten wie Finanz- und Controlling-Informationen werden in einer einzigen Tabelle (Universal Journal) gespeichert. Dadurch beinhaltet das System weniger redundante Datenstrukturen als SAP ERP.

    Auch ist die Anzahl der technischen Objekte deutlich reduziert: SAP S/4HANA arbeitet mit weniger als der Hälfte an Tabellen und Codezeilen im Vergleich zu SAP ERP 6.0. Die Vereinfachung der Systemlandschaft reduziert die IT-Kosten, allein schon durch weniger Wartungsaufwand.

    4. Zukunftssicherheit

    SAP S/4HANA bietet mit Echtzeitanalysen bereits einen entscheidenden technologischen Vorsprung. Dieser wird durch künstliche Intelligenz und Machine Learning noch größer.

    Anders als in SAP ERP müssen die neuen Technologien nicht individuell über Enhancement Packages angebunden werden; sie sind bereits tief im Kern integriert. So lassen sich mit eingebauten ML-Algorithmen Trends aus Massendaten analysieren oder der AI-Assistent Joule für Sprachbefehle nutzen.

    3 Nachteile von S/4HANA gegenüber SAP ERP

    Natürlich gibt es auch Nachteile. Die haben viel damit zu tun, dass SAP möglichst viel Geld am Markt mit ihrem neuen ERP verdienen möchte. 

    1. Neues Lizenzmodell kann teuer werden

    Früher orientierte sich die Lizenzierung am Nutzerverhalten: Wer viel SAP ERP nutzte, brauchte eine teurere Lizenz. Bei SAP S/4HANA wird dagegen anhand der vergebenen Berechtigungen lizenziert. Entscheidend ist nun, was ein Benutzer theoretisch darf – unabhängig davon, ob oder wie oft er die Funktionen nutzt. 

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    Tipp aus der Praxis

    Bei der Migration werden Bestandsrollen oft eins zu eins übernommen. Häufig enthalten diese Rollen Berechtigungen, die mehr Funktionen umfassen als tatsächlich genutzt werden. Da dies direkt in Lizenzkosten umschlägt, erleben viele Unternehmen erstmal einen „Kosten-Schock“ nach der Migration. Gute Berater wissen das zu verhindern.

    2. Eingeschränkte Schnittstellen für die Archivierung

    ArchiveLink bildet seit fast 30 Jahren die Brücke zwischen System und Archiv. Die Schnittstelle funktioniert und ist bewährt. Trotzdem soll CMIS (Content Management Interoperability Services) ArchiveLink im SAP-Kosmos ersetzen.

    Dabei kann die Schnittstelle bei weitem nicht alles, was die altbewährte Variante umsetzt. ArchiveLink unterstützt beispielsweise alle traditionellen SAP-Archivierungsszenarien, wie frühe Belegarchivierung, späte Ablage (mit/ohne Barcode), parallele Archivierung und die enge Integration mit dem SAP Business Workflow. Dies ermöglicht eine prozessgesteuerte Ablage und gezielte Verknüpfung von Dokumenten mit SAP-Geschäftsobjekten. CMIS bildet diese Spezialitäten häufig nur rudimentär oder gar nicht ab.

    3. Geringe Erprobung neuer Funktionen

    Die Funktionen in SAP ERP sind über viele Jahre gereift und praxiserprobt. Unternehmen können sich darauf verlassen, dass der Standard funktioniert. Da S 4 eine neuere Technologie ist, sind einige Services noch nicht so langjährig im Einsatz. Das kann für Unternehmen ein höheres Implementierungsrisiko bedeuten.

    Tipps für die Migration von SAP ERP auf S/4HANA

    Die Migration zu SAP S/4HANA erfordert eine sorgfältige Planung und Vorbereitung. Diese drei Aspekte sind dabei besonders wichtig, um Herausforderungen frühzeitig begegnen zu können:

    Daten reduzieren

    Jeder Fachbereich kann im Vorfeld die Migration beschleunigen, indem alte Geschäftsvorgänge abgeschlossen und archiviert werden. Generell spart ein durchdachtes Archivierungsprojekt viel Geld, weil dadurch die S/4HANA-Version schlank gehalten werden kann.

    Genügend Zeit für Formulare einplanen

    Am Formularwesen können S/4HANA-Transformationen scheitern – ohne Frage. Wenn die Prozessdokumentation nicht läuft oder Formulare für die Kunden nicht gut aussehen, geht das System nicht live. Daher sollte hierfür genügend Zeit im Projektplan berücksichtigt werden.

    Qualität des Quellcodes prüfen

    Die größte Unbekannte ist oft der eigene Code. Wie gut ist er? Die Antwort darauf liefert die Basis für die Roadmap für die Migration. Wir bei eubuleus haben deswegen eine automatisierte Prüfung entwickelt. Sie durchläuft das System und analysiert anhand fester Kriterien die Qualität des Codes.

    Fazit

    Der Unterschied zwischen SAP ERP und S/4HANA ist fundamental. Es handelt sich nicht um ein einfaches Upgrade, sondern um einen strategischen Wechsel auf eine neue Plattform – und damit um eine Weichenstellung für Unternehmensprozesse.

    Auf der einen Seite steht die bewährte, über Jahrzehnte gereifte Stabilität von SAP ERP. Auf der anderen Seite lockt die zukunftsweisende Performance von S 4 mit der Echtzeit-Datenverarbeitung, der modernen Fiori-Oberfläche und dem vereinfachten Datenmodell.

    Genau darin liegen die große Chance: Wer die Stärken des neuen Systems strategisch nutzt und den Umstieg sorgfältig vorbereitet, wandelt eine technische Notwendigkeit in einen echten Marktvorteil um.

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